Ein Hilfs-Konzept nimmt Form an

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Personen
(von links nach rechts) :
Frau Eichberg
Frau Wolf
Frau Jansen
Herr Stolz
Herr Riechert

Tagesgruppe und trendiges Flair ebnen neue Wege in der Jugendhilfe

,GTI Tg.o151' steht auf der Tür. Trendig wirkt das. Und damit geradezu programmatisch für die "Tagesgruppe für Jugendliche" an der Oberhausener Straße 151. Bleibt noch, GTi zu entschlüsseln. Das Kürzel steht für den Träger, das Gerhard-Tersteegen-Institut.
Die Oberhausener haben bereits mit der "Zinkhütte" in Mülheim Zeichen gesetzt und mit verrückten Einrichtungsideen und einem neuen Konzept an der Zinkhüttenstraße ein Klein-Heim für Kids in Krisen geschaffen. Institutsleiter Günther Stolz legte jetzt nach - mit der Tagesgruppe. Sein pädagogischer Ansatz: Neue "Wege in der Jugendhilfe" beschreiten und intelligente, lebensweltorientierte Lösungen bieten. Eine Nische "zwischen Beratungsstelle, ambulanter Hilfe und stationärer Einrichtung" nennt Stolz das, was Jugendlichen werktags zwischen 11 und 19 Uhr feste Anlaufstelle werden soll. Der Standort Styrum verspricht einen großen Einzugsraum. "Die Verkehrsanbindung ist hier gut." Stolz rechnet deshalb auch mit Zuspruch der Jugendämter in Duisburg und Oberhausen.
Das bauliche Ergebnis - investiert wurden seit Mai 250.000 DM - besticht durch Details. Auf 300 qm wurde ein ehemaliges Tapeten- und Teppichhaus in eine Lern-, Lebens- und Ruhe-Landschaft verwandelt. Samt Küche, Werkstatt, Schulraum mit zehn PC-Plätzen, Gruppen- und Gesprächsraum, Ess-Ecke und Freizeitbereich. Der obligatorische Kicker steht da neben Flipper und Billardtisch. Filmposter pflastern Wände, Graffiti sind gezielt gesprüht, Verkehrsschilder verbreiten spezielles Flair.
Kaum etwas ist von der Stange, vieles recycelt. "Es muss nicht alles perfekt und neu sein", sagt Stolz. "Aber Handwerkszeug sind auch Räume. Und die müssen uns bestimmte Ansätze ermöglichen." Wie die Werkstatt. Ein "Bike-Projekt" soll hier seinen Anfang finden. Vom Zusammenbau der Altteile zum funktionsfähigen Rad bis zur Querfeldeintour in acht Wochen heißt das Ziel. Und bedeutet: Jugendliche sollen in einem strukturierten Rahmen ihre Fähigkeiten entdecken und sie weiter entwickeln.
Doch noch ist die Werkbank blütenrein, liegen die Schraubenschlüssel gebündelt im Regal. Ein Fernseher läuft. Die "Stomp"-Akteure brettern via Video über die Bühne, liefern fulminant mit Besen und Deckeln den Showtakt für die künftige Arbeit. Und zeigen sinnfällig: Entscheidend ist, was man aus Zutaten macht.
Drei Fachkräfte und eine Köchin hat die "Tg.o151", eine Kraft widmet sich der Beratung von Team und Eltern, hilft bei der Familienzusammenführung. "Die Problemszenarien erhöhen sich. Daher muss es vielfältige Lösungschancen geben. Und davon ist die Tagesgruppe eine", so Stolz, der mit dem GTi Neuland betrat und auch ein Risiko einging. 154 DM Tagessatz sind kalkuliert.
Damit die pädagogische Rechnung aufgeht, braucht die Tagesgruppe 95 % Auslastung. jös

Zitat: WAZ, Mittwoch, 26. September 2001

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