Die Gattin des Kanzlers ist eine strenge Mutter

Doris Schröder-Köpf hat ein Interview gegeben. Nicht als Ehefrau des Bundeskanzlers hat sie sich geäußert, sondern als Mutter. Ihre Botschaft: Wir müssen unsere Kinder mehr erziehen, ihnen wieder Werte vermitteln.

Eine Debatte über Tugenden und Werte vermisst Doris Schröder-Köpf in Deutschland. Pflichtbewusstsein, Fleiß, Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit, Anstand und richtiges Benehmen - für Doris Schröder-Köpf sind das keine konservativen Klischees, sondern Leitlinien, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder vorgeben sollten.

Doris Schröder-Köpf ist eine strenge Mutter. "Ich bin in Bayern auf dem Land aufgewachsen und durch meine Kindheit geprägt", sagt die 37-Jährige von sich selbst. Ihre zehnjährige Tochter Klara müsse an Schultagen um sieben Uhr abends ins Bett und auch mit wenig Taschengeld zurecht kommen: fünf Mark pro Woche. Sorgen mache ihr die Flut von Konsumreizen, denen Kinder heute ausgesetzt seien. "Die Uberflutung mit Angeboten kann familiäre Probleme bringen", warnt die Kanzler-Gattin. Doris Schröder-Köpf kritisiert die unzureichende Kinderbetreuung in Deutschland. Mehr Möglichkeiten zur ganztägigen Betreuung müsse es geben. Sie weiß, wovon sie spricht: "Ich habe selbst jahrelang als berufstätige und allein erziehende Mutter gelebt", sagt sie und berichtet von ihrem mühsamen Kampf um einen Ganztagsplatz im Kindergarten. Das müsse sich ändern.

Als Mutter und aus eigener Erfahrung hat sich Doris Schröder-Köpf geäußert. Viele Familien und allein Erziehende werden gehofft haben, dass sie als Gattin des Kanzlers sprach. pol

WAZ, Mittwoch, 09.05.01