Birgit Fischer will Kinderrechte stärken

Ministerin besucht Jugendprojekte

Kinder und Jugendliche sind ein Teil der Gesellschaft. Also sollen sie auch in der Gesellschaft Mitspracherecht haben, sagt NRW-Jugendministerin Birgit Fischer (SPD). Mit neuen Schwerpunkten in der Kinder- und Jugendförderung will sie diesem Ziel näher kommen.

Die Mutter verhindert den Kontakt des Kindes zum Vater. Der Nachbar klagt gegen die Eröffnung eines Spielplatzes vor seiner Haustür. Kinder müssen ohne Frühstück in die Schule. Beispiele aus dem Alltag, wie Kinderrechte mit Füßen getreten werden. Wenn Kinder Glück haben, gibt es in ihrer Nähe eine gut funktionierende Nachbarschaftshilfe. Oder ein Kinderhaus, in dem es nicht nur ein warmes Essen und Hilfe bei den Hausaufgaben gibt, sondern auch Menschen, die ihnen zuhören und bei der Durchsetzung ihrer Rechte - auch vor Gericht - Hilfe leisten.
Solche Hilfe etwa bietet der Essener Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes in seinem Haus in der nörtlichen Innenstadt: Kita, Hort, offener Spieltreff und Rechtsberatung unter einem Dach - "das hat Modellcharakter", sagt Ministerin Fischer bei ihrem Besuch. Immerhin können dort Kinder zu "ihrem Anwalt" gehen - einem juristisch gebildeten Sozialarbeiter, der nur für ihre Belange da ist und auch dann noch hilft, wenn ein Verfahren vor Gericht längst abgeschlossen ist. Weil der Kinderschutzbund sein Projekt "Power für Kids" landesweit ausdehnen will, verspricht Frau Fischer finanziellle Unterstützung. Schließlich werde im Landtag debattiert, die Kinderrechte in der Landesverfassung zu verankern.
Auch bei dem Besuch weiterer Projekte in Bochum und Dortmund bestätigt sich das, wovon die Ministerin ohnehin überzeugt ist: Jugendhilfe funktioniert nur, wenn die Institutionen zusammenarbeiten und wenn die Hilfe in erster Linie auf das Kind ausgerichtet ist.
Beispiel Dortmund: In einigen Stadtbeziken geraten sozial benachtiligte Kinder und Jugendliche besonders leicht in kriminelle Kreise. Gespräche, Straßensozialarbeit und Erlebnispädagogik (mit einem mobilen Kletterbaum) sollen helfen, Aggressionen abzubauen und persönliche Schwierigkeiten eigenständig und gewaltfrei zu lösen.
Damit es erst gar nicht zu einem sozialen Abstieg von Kindern kommt, arbeitet das Jugendministerium an einem sozialen Frühwarnsystem. Dabei sollen Jugendhilfe und Schule rechtzeitig auf Probleme aufmerksam machen. Erste Modelprojekte sind noch für dieses Jahr geplant.

WAZ, 05.05.01, WAZ-Reporterin: Brigitta Stauber-Klein