Natur-Idylle als Balsam für drei Großstadtkinder

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JUGENDHILFE / Gerhard-Tersteegen-Institut feierte einjähriges Bestehen seiner erlebnispädagogischen Tagesgruppe auf dem Bauernhof.

Ein fast paradiesisches Idyll mitten im Grünen, zwischen Feldern und Bäumen; ein Stückchen Land mitten in der Stadt. Vor einem Jahr gründete hier, auf dem Bauernhof in Raadt, das Oberhausener Gerhard-Tersteegen-Institut in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt eine erlebnispädagogische Tagesgruppe. Was fachchinesisch klingt, bedeutet tatsächlich konkrete Familienhilfe und soziale Stabilisierung für drei Jungen um die zehn und ihre Eltern. An jedem Werktag kommen die Jungs nach der Schule auf den Hof, wo sie bis zum frühen Abend bleiben. Dann kehren sie in ihre Familien zurück. Betreut werden sie in der ländlichen Umgebung von Werner Hohendahl, Diplom-Pädagoge und Landwirt, und seiner Frau Ulrike, selbst auch diplomierte Sozialpädagogin. Bei dem Projekt gehe es darum die Familie zu stärken, die Eltern-Kind-System zu stabilisieren, so Günther G. Stolz, Leiter des Gerhard-Tersteegen-Instituts. Und dabei helfe die ländliche Umgebung. Denn die Kinder sind teils hyperaktiv, haben Probleme mit der Familie. Fern von den Reizüberflutungen, von der Enge und der ständigen Lärmkulisse der Großstadt sollen sie zur Ruhe kommen, Abstand gewinnen, den Umgang mit den Elementen Erde, Wasser, Luft erleben lernen - und durch die intensive Betreuung wieder das Verhältnis zu ihrer familiären Umgebung und die Möglichkeiten der Konfliktbewältigung auf andere Beine stellen.

Doch genauso wie die Kinder lernen hier auch die Eltern. Die Hohendahls bringen regelmäßig alle an einen Tisch, erarbeiten Strategien, um Probleme aufzuarbeiten. Eng ist auch die Zusammenarbeit mit den Lehrern. Länger als zwei Jahre soll der Aufenthalt in der Tagesgruppe nicht dauern.

Computer und Fernsehen sind an den Nachmittagen bei den Hohendahls tabu. Nach den Hausaufgaben zieht es die Kinder eh immer nach draußen. Sie dürfen, wenn sie wollen, auf dem Hof helfen: die Eier der 1000 Hühner sortieren, Tomaten pflücken, mähen. Werner Hohendahl baut und bastelt mit ihnen aus den Materialien, die die Natur hergibt, bald wird auf der Wiese gezeltet . Wichtig sei auch der Umgang mit den Tieren - Hühnern, Schafen, Hunden - den die Kinder erlernten, das Übernehmen von Verantwortung für andere Lebewesen. Demnächst sollen alle drei eigene Kaninchen bekommen.

Nach dem ersten Jahr wissen die Betreuer von überaus positiven Veränderungen zu berichten. (jasi)

NRZ, Freitag, 22. Juni 2001